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  • AutorenbildAntje Bek

World Child Forum - Gemeinsam die Welt retten?

Das World Child Forum auf der Weltkonferenz am Goetheanum




Vom 19. bis 21. Juli fand in Davos das „World Child Forum“ statt, welches sich als komplementäre, d.h. ergänzende Veranstaltung zum alljährlich stattfindenden „World Economic Forum“ versteht. 120 Kinder und Jugendliche nahmen daran teil, in einem ausführlichen Artikel wurde in der Zeitschrift „Das Goetheanum“ darüber berichtet[1]. Ein Ergebnis dieses Treffens soll zusätzlich auf der vom 27. September bis 1. Oktober stattfindenden Goetheanum-Weltkonferenz zu sehen sein: Ein Container mit den „geronnenen Schätzen des World Child Forum“.


Es klingt gut

Die Absichten dieses Forums haben einen wohlmeinenden Klang: Kindern und Jugendlichen soll ein Raum geboten werden, „die Dinge so zu sehen und zu sagen, wie sie sind“, sie sollen ihre „Wünsche, Hoffnungen und ihren Willen für die Zukunft zum Ausdruck bringen“, sie sollen versuchen sachlich miteinander zu diskutieren und den „Superreichen und wirklich(!) Mächtigen der Welt“ – gemeint sind die Teilnehmer des nächsten Treffens des WEF – durch den Container zeigen, was sie sich wünschen und wollen. Außerdem dürfen sie die Rolle als Berater der Erwachsenen übernehmen, um als Kinder und Jugendliche den Älteren „zu helfen“. Um den jungen Menschen Sicherheit vor den Erwachsenen zu gewährleisten, wurden „safe spaces“ geschaffen, also Zeit-Räume, die sie vor Menschen schützen sollten, die potentiell als Autoritäten einen Einfluss haben könnten, indem alle Erwachsenen herausgebeten wurden.


Neben den „safe spaces“ gab es Workshops zu Themen wie Schule und Bildung, künstliche Intelligenz, Gendern, Russland-Ukraine-Krieg, Städteplanung etc. Darüber hinaus wurde das Gemeinschaftsgefühl durch weitere Veranstaltungen gefördert und erfahren. Dieses gipfelte in: „Geeint in dem Gefühl, gemeinsam vielleicht doch noch die Welt retten zu können.“


Vor Erwachsenen sicher

„Gemeinsam die Welt retten“ – welches Welt- und Menschenbild steht hinter dieser Aussage, wenn man es in Zusammenhang mit der gesamten Veranstaltung betrachtet? Eines scheint sicher zu sein: Die Welt ist dem Untergang geweiht und muss gerettet werden, diesen Eindruck kann jeder bekommen, der tagtäglich Nachrichten hört oder Zeitungen liest. Es soll gar nicht in Abrede gestellt werden, dass vieles in der Welt im Argen liegt, unabhängig davon, worin man die tatsächlichen Ursachen dafür sieht. Das ganze World Child Forum vermittelt direkt und indirekt den Kindern: Wir Erwachsenen wissen nicht, wie wir die dem Untergang geweihte Welt retten sollen. Im Grunde sind erwachsene Menschen das Gegenteil von „Weltrettern“, ihr müsst vor den Erwachsenen (durch safe spaces) geschützt werden, denn nur ihr könnt die Welt retten, am besten ohne uns und ohne unseren Einfluss. Dieser Gedanke ist nicht weit weg von dem Gedanken, dass der Mensch der größte Schädling der Erde sei, sodass es zum Schutz der Natur am besten wäre, wenn es diesen „Schädling“ auf der Erde gar nicht mehr gäbe, denn dann würde es der Natur wesentlich besser gehen. Beim zuletzt genannten, durchaus verbreiteten Gedanken wird nicht in Betracht gezogen, dass es des Menschen Aufgabe und auch (zu entwickelnde) Fähigkeit sein könnte, Mensch und Natur verstehen und dadurch lieben zu lernen, um zu erkennen, was für Mensch und Natur förderlich ist, wie das wahre Mensch-Sein gepflegt werden könnte – ein zentrales Anliegen der Anthroposophie und Waldorfpädagogik.


Kinder und Jugendliche als Berater der Erwachsenen?

Man kann sich fragen, woher nehmen die Veranstalter des Welt-Kinderforums die Annahme oder Gewissheit, dass die Kinder und Jugendlichen die Erwachsenen beraten könnten, wie die Welt zu retten sei? Ohne dass es ausgesprochen wird, liegt diesem Gedanken eine Wahrheit zugrunde: Kinder und Jugendliche kommen mit neuen, frischen, individuellen Impulsen auf die Erde, ihre Beziehung zur geistigen Welt ist noch wesentlich unmittelbarer als die des Erwachsenen. Es schwingt beim Anliegen dieser Veranstaltung die durchaus zutreffende Annahme mit, dass uns „die Rettung“ letztlich nur aus der geistigen Welt entgegenkommen kann,[2] die den Erwachsenen aber in mehr oder weniger großem Ausmaße verloren gegangen ist. Aus diesem Grund schaden sie – quasi zwangsläufig – den geistigen Impulsen, die in den Kindern noch lebendig sind. Ähnlich wie wir als Menschen der Natur schaden. Und nun überlässt man die jungen Menschen am besten sich selbst, stellt ihnen durch die Themen der Workshops Fragen, die sie auf das Elend der Welt hinweisen, damit sie uns helfen, die Welt zu retten. Ja – sind wir noch zu retten?


Erwachsene als Begleiter beim Weg vom Himmel auf die Erde

Was brauchen Kinder und Jugendliche denn, damit sie als Erwachsene in der Lage sind, aus den Wahrnehmungen, Erkenntnissen und Urteilen, die sie entwickelt haben, tatkräftig und förderlich den weiteren Gang der Menschheitsentwicklung mitgestalten zu können? Was brauchen sie denn, damit sie später nicht selbst zu den hilflosen Zerstörern werden, vor deren Einfluss sie aktuell scheinbar geschützt werden müssen? Sie brauchen Erwachsene, die sie einerseits als Wesen erkennen, welche mit einem individuellen Impuls aus der geistigen Welt auf die Erde gekommen sind, und die ihnen gleichzeitig den Weg eröffnen, sich in die irdische Welt, d.h. auch in ihren physischen Körper einzuleben. Sie brauchen Erwachsene, die ihnen im jüngeren Alter die notwendige Sicherheit und Führung bieten, um gerne auf der Erde anzukommen. Und als Jugendliche brauchen sie Erwachsene, an denen sie die Wirksamkeit von Idealen erleben können. Das können bekannte, auch historische Persönlichkeiten sein, das kann ein älterer Freund, ein Lehrer sein. Menschen, die trotz des in der Welt waltenden Bösen etwas Sinnvolles, Frieden Stiftendes bewirkt haben. Und je stärker sich die Impulse der Erwachsenen aus einer konkreten Verbindung mit der geistigen Welt speisen, umso eher werden Kinder und Jugendliche von solchen Erwachsenen etwas entgegennehmen wollen, denn sie erleben durch sie auf der Erde etwas, das sie aus ihrem noch nicht lange zurückliegenden Leben in der geistigen Welt unbewusst gut kennen. Wenn ihnen auf der Erde aber durch die Erwachsenen Hilflosigkeit, Geistlosigkeit und die (unausgesprochene) Überzeugung entgegenkommt, dass der erwachsene Mensch im Grunde nur Böses auf der Welt tut, dann transportiert man einen Subtext, der wirksamer ist als jegliches Gefühl von Gemeinschaft, herzlicher Verbundenheit und Geeintsein. Dieser Subtext wird in letzter Konsequenz die Probleme verstärken, die wir bereits haben und eigentlich verhindern möchten.


World Child Forum und das Goetheanum?

Es soll den Veranstaltern des World Child Forum nicht die gute Absicht abgesprochen werden, es ist auch eine schöne Idee Kinder aus aller Welt zusammenzubringen. Welche innere Verbindung es jedoch zu den Anliegen der Anthroposophie und Waldorfpädagogik gibt, insofern dieses Welt-Kinderforum nicht nur einen Platz in der Zeitschrift „Das Goetheanum“ erhielt, sondern auch noch auf der Weltkonferenz der Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach, bleibt in dem Beitrag offen. Sie lässt sich auch nicht herstellen.

[1] https://dasgoetheanum.com/wir-wollen-wirksam-sein/ - Alle weiteren Zitate ebenfalls aus diesem Artikel [2] „Ihre Anbindung an das Wesentliche und ihr oft noch vorurteilsfreier Blick auf eine lebenswerte Welt müssen uns Leitfaden und Ansporn für unser Handeln sein.“


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