• Antje Bek

Wie man Eltern von Waldorfschulen fern hält

Leserbrief zu Beiträgen in der Zeitschrift „Erziehungskunst“, November 2022*



In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Erziehungskunst", die an Waldorfschulen verteilt wird, erwecken Beiträge den Eindruck, als ob alle Eltern von den Waldorfschulen fern gehalten werden sollen - wohl eher unfreiwillig... Am Ende trifft es dann die Kinder.



Leserbrief

Waldorfschulen: Kein Ort für Nazis! So das Editorial und so der Tenor der Beiträge im November-Heft der Erziehungskunst. „Es gibt einiges auszubügeln, denn das Ansehen der Waldorfschulen in der Gesellschaft hat in den letzten Jahren gelitten. Wenn rechten Zündler:innen und Strateg:innen erkennbar kein Platz gelassen wird, macht sich Waldorfschule resilient gegen Unschärfen am rechten Rand und hält sich buchstäblich Probleme vom Leib.“– so das Fazit des Beitrages von Hans Hutzel. Man fürchtet um das Ansehen der Waldorfschulen – zu Recht! Dabei bezieht man sich auf die Kritik, die in den bekannten Leitmedien an der Anthroposophie, der Waldorfpädagogik und einzelnen Akteuren geübt wird. Interessant dabei ist, dass nicht hinterfragt wird, ob die in den bezeichneten Medien geübte Kritik tatsächlich gerechtfertigt ist, sondern man stößt zusätzlich und in mancher Hinsicht noch kräftiger in dieses Horn, ohne selbst weitere Recherchen zu betreiben und die Behauptungen mit Fakten – und nicht mit Allgemeinplätzen – zu belegen. Dem Leser der Artikel kommt ein Urteil nach dem anderen über Menschen entgegen – manche namentlich benannt, andere nur als Gruppe gekennzeichnet. „Zündler:innen und Strateg:innen“ sind an Waldorfschulen unterwegs – so die unbelegte Behauptung von Hutzel, um diese Personengruppe kreist der ganze Artikel. Da kann es einen nur gruseln.


Besser man schickt sein Kind erst gar nicht dorthin – würde ich als bisher unbedarftes Elternteil nun denken!


Im nächsten Beitrag geht es um rechte Unterwanderungsversuche an Waldorfschulen. Dort werden einige Menschen namentlich genannt, die offensichtlich derartige Versuche in der Vergangenheit unternommen haben und deren Aktivitäten man erfolgreich unterbunden hat. Besonders gefährlich seien gegenwärtig Persönlichkeiten, die Rudolf Steiners Schriften mit entsprechenden Absichten interpretieren, erkennbar seien sie u.a. an der Mitgliedschaft oder Sympathie für die Partei „Die Basis“. Dazu gehören auch Lehrer und Eltern an Waldorfschulen, von denen, wenn auch quantitativ eine Minderheit, so doch qualitativ „ein sehr ernstzunehmendes Gefahrenpotential für die gesamte Gesellschaft“ ausginge – so die Autoren.


Wieder fragt man sich als Eltern, ob man es überhaupt verantworten kann, sein Kind an einer Waldorfschule anzumelden, womöglich bekommt oder hat es einen derartig gesinnten (Klassen-)lehrer?


In diesem Zusammenhang wird dann auch Christoph Hueck genannt, der für die Akanthos-Akademie tätig ist. Jeder, der Christoph Hueck persönlich kennt, wird wissen, dass ihm jegliches rechte, rassistische oder ähnliche Gedankengut völlig fremd ist. Dennoch wird er in diesen Zusammenhang gestellt. Tatsächlich hat er sich kritisch gegenüber den Corona-Maßnahmen geäußert, tatsächlich hat er sich fundiert mit den Impfungen auseinandergesetzt, Genetik ist sein Fachgebiet. Wie man aus seinen Äußerungen schließen kann, dass er dem rechten Spektrum zuzuordnen ist, kann dem Leser nur schleierhaft bleiben. Einzig die „Nähe“ zur Partei „Die Basis“ dient dazu als Beleg, denn Christoph Hueck hatte dort im Sommer 2021 einen Beitrag zum Thema „Wie können Menschen konstruktiv zusammenarbeiten?“ gepostet. Um ihre Urteile zusätzlich zu untermauern, wird schließlich die Partei „Die Basis“ auf eine äußerst diffamierende Art und Weise charakterisiert.


Zu erkennen ist hierbei dieselbe Strategie, mit der Teile der Presse agieren und schon seit vielen Jahren versuchen die Anthroposophie, Rudolf Steiner und die Waldorfschulen völlig ungerechtfertigt als „rechts“ zu diskreditieren oder zu diffamieren: Einzelne Zitate oder unbelegte Behauptungen werden aus dem Zusammenhang gerissen, sodass ein Bild entsteht, das einen nur abstoßen kann. Erkennen die Autoren dieses Beitrages das nicht? Sind sie blind auf diesem Fleck oder ist das ihre bewusste Strategie?



* Bezug genommen wird auf folgende Beiträge:

Hans Hutzel: Aufgaben der Waldorfschulen gegen rechte Angriffe, Seite 5


Albrecht Hüttig, Martin Malcherek, Markus Schulze, Frank Steinwachs: Waldorfschulen und rechtsradikale Unterwanderungsversuche – Darstellung und Analyse, Seite 10


Foto: Claudio Schwarz / Unsplash


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