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  • Antje Bek

Keine Antwort auf den aktuellen „Spiegel“-Artikel


Auf große Teile der Menschheit, dazu gehören auch Kinder und Jugendliche, wird inzwischen massiver Druck ausgeübt sich mit einer ganz neuartigen Gentherapie impfen zu lassen, über einen Impfzwang für verschiedene Berufsgruppen wird inzwischen auch in Deutschland offen diskutiert. Diese Situation hat auch die Anthroposophie und mit ihr die Waldorfpädagogik in neue Bedrängnisse und Kritik gebracht, wie z.B. durch den Beitrag von Tobias Rapp, einem ehemaligen Waldorfschüler, im aktuellen „Spiegel“ vom 15. November 2021[1] deutlich wird.


Selbstverständnis und Zukunft der Anthroposophie in der Öffentlichkeit

Schon in der 1907 von Rudolf Steiner verfassten Schrift „Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft“ äußert er sich über Selbstverständnis und Schicksal der Anthroposophie, wie folgt: „Nicht eine graue Theorie soll sie sein, welche der bloßen Erkenntnisneugierde entgegenkommt, und auch nicht ein Mittel für einige Menschen, welche aus Selbstsucht für sich eine höhere Stufe der Entwicklung haben möchten. Sie kann sein ein Mitarbeiter an den wichtigsten Aufgaben der gegenwärtigen Menschheit, an der Entwickelung zu deren Wohlfahrt. Sie wird allerdings damit rechnen müssen, mancherlei Anfechtungen und Zweifel zu erfahren, wenn sie sich gerade eine solche Mission zuerkennt. Radikale und Gemäßigte, sowie Konservative auf allen Gebieten des Lebens werden ihr solche Zweifel entgegenbringen müssen. Denn sie wird es zunächst keiner Partei recht machen können, weil ihre Voraussetzungen jenseits allen Parteigetriebes liegen.“[2] (Hervorh. d. Verf.)


Diffamierung der Anthroposophie heute

Wir dürfen uns also nicht wundern, wenn nun zum wiederholten Male entsprechend diffamierende und diskreditierende Artikel, wie der oben erwähnte, erscheinen. Nicht nur die Anthroposophie wird dort angefochten und in Zweifel gezogen, sondern vor allem auch Rudolf Steiner selbst und alle Menschen, die sich tätig mit ihr verbinden.


Diskreditierung von Menschen und die Anthroposophie

Nun ist innerhalb der letzten bald zwei Jahre ein Phänomen aufgetaucht, das hier in den Blick genommen werden soll. Es werden seit Beginn der Krise kritische Menschen in den Mainstream-Medien als Schwurbler, Aluhut-Träger, Esoteriker, Impfgegner, Verschwörungtheoretiker, Covidioten, Rechtsoffene oder Rechtsradikale diffamiert, das Wort „Querdenker“ ist zum Synonym für diese Ettiketten gemacht worden – von der Presse. Hinzu kommt, dass Menschen, die sich kritisch zu den Maßnahmen bzw. der Impfung äußern und sich offen zur Anthroposophie bekennen, von der Presse persönlich angegriffen und dazu benutzt werden, wieder einmal die Anthroposophie zu diskreditieren.


Es soll in diesem Zusammenhang folgendes zu bedenken gegeben werden: Schon vor Corona war die Anthroposophie immer wieder Angriffen durch die Medien ausgesetzt. Jeder, der sich mit ihr und mit Rudolf Steiner ernsthaft beschäftigt hatte, konnte erkennen, dass vieles davon auf Unkenntnis oder Unverständnis beruhte. Auf denselben „Grundlagen“ basieren die erwähnten Aussagen über „Querdenker“. Wer selbst mit vielen kritisch denkenden Menschen zu tun hat, weiß, dass es sich um selbst denkende Menschen handelt, die keinem wie auch immer gearteten politischen oder weltanschaulichen Lager zuzuordnen sind, sondern zur Mitte der bisherigen Gesellschaft gehören - bald muss man wohl schon sagen: „gehörten“. Sie werden ja zunehmend an deren Rand gedrängt. Die Aussagen der Medien über diese Menschen basieren also auf den gleichen Mechanismen, mit denen bisher schon Anthroposophie in ein schlechtes Licht gerückt werden sollte.


Umso mehr kann es erstaunen, dass nun aus den „eigenen Reihen“ den Menschen, die sich öffentlich zur Anthroposophie bekennen und sich kritisch zu den Maßnahmen äußern, vorgeworfen wird, sie würden der Anthroposophie schaden. Diese Kritik kann einhergehen mit dem formulierten Bedürfnis, nicht in dasselbe schlechte Licht gerückt zu werden, in das sich die öffentlich äußernden Anthroposophen gestellt sehen. Damit will man nichts zu tun haben, damit will man nicht in Zusammenhang gebracht werden. Das ist eine menschlich durchaus verständliche Regung, die jedoch die Tatsache übersieht, dass sie sich nicht auf Inhalte öffentlicher Äußerungen, sondern auf die Reaktionen der Presse bezieht.


Der Bund der Freien Waldorfschulen und die Presse

Auch der Bund der Freien Waldorfschulen ist sehr bemüht sich so zu verhalten, dass kein Anlass geboten wird kritische Stimmen in der Öffentlichkeit gegenüber der Waldorfpädagogik bzw. den Schulen aufkommen zu lassen. Die Schulen, die Institutionen sollen geschützt werden[3], auch vor Menschen aus den eigenen Reihen, wenn deren Äußerungen in den Medien negativ aufgegriffen werden. Das lässt bei allem Verständnis die Frage aufleben, ob es letztlich – auch intern - noch um einen Impuls, nämlich den der Waldorfpädagogik, oder um den reinen Erhalt von Institutionen geht. Wäre es nicht spätestens jetzt an der Zeit sich zu fragen, ob man damit nicht einstimmt in Verlautbarungen derer, die „Zweifel“ an dem Kern der Waldorfpädagogik hegen und diese über die Medien auf beschriebene Weise immer wieder verbreiten? Ob man nicht gar diese Art von Presse zum Maßstab dessen macht, was „erlaubt“ und was „verboten“ ist?


Zu einer fundierten gesundheitsfördernden Pädagogik gehört es, den Menschen nicht nur als leibliches, sondern auch als seelisches und geistiges Wesen zu erkennen. Rudolf Steiner hat in diesem Sinne eine spirituelle Pädagogik inauguriert, die mit der Menschenseele als einem geistigen Wesen rechnet. Eine Pädagogik, die auf diesen Voraussetzungen fußt, wird daher weiterhin damit rechnen müssen, dass sie in weiten Teilen der Öffentlichkeit diskreditiert wird, wenn sie sich zu ihrem innersten, d.h. esoterischen Kern bekennt. Die aber auch damit rechnen kann, dass es eine immer größer werdende Gruppe von Menschen geben wird, die aus den Not-wendigkeiten der Zeit heraus gerade eine solche Pädagogik sucht. Wer für eine spirituelle Pädagogik auch öffentlich einsteht, wird allgemeinen Beifall nicht erwarten dürfen.

[1] https://www.spiegel.de/kultur/waldorfschule-und-impfgegner-in-steiners-sekte-a-8242889d-190f-479f-bf6d-a22ccab54013 [2] Rudolf Steiner, GA 34, S. 311 http://fvn-archiv.net/PDF/GA/GA034.pdf#page=311&view=Fit [3] „Zugleich fühlte ich mich dafür verantwortlich, den Schulen angesichts einiger absurder Auftritte von waldorfnahen Leuten in der Öffentlichkeit, die von den Medien natürlich begeistert aufgegriffen und immer wieder recycelt wurden, den Rücken freizuhalten.“ Henning Kullak-Ublick, https://www.erziehungskunst.de/artikel/erziehungskuenstler/waldorf-anthroposophie-die-gruenen-und-mehr/

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