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  • Antje Bek

"Im Menschenherzen Liebe weckend"

Aktualisiert: Apr 4

- Eine schlichte Übung und ein Spruch aus dem Seelenkalender Rudolf Steiners -



Im Lichte das aus Weltenhöhen

Der Seele machtvoll fließen will

Erscheine, lösend Seelenrätsel,

Des Weltendenkens Sicherheit

Versammelnd seiner Strahlen Macht

Im Menschenherzen Liebe wecken.

Rudolf Steiner[1]


Photo by MARIOLA GROBELSKA on Unsplash


In den vergangenen Tagen hörte ich einen Beitrag von Tulku Lobsang Rinpoche, einem tibetischen Mönch und buddhistischen Meister, der mich nachdenklich stimmte. Er wies darauf hin, dass es uns Menschen wenig schwer fällt Tiere zu lieben. Insbesondere, wenn wir ein Haustier haben, ist es ganz einfach das Tier zu lieben. Woran aber liegt das? Wenn wir unserem Haustier etwas Gutes tun, dann wird es mit Dankbarkeit und Anhänglichkeit antworten. Pflanzen wir, bildlich gesprochen, eine Tomate in seine Seele, dann werden wir eine rote Tomate ernten.


Wie einfach und schön ist es auch die Natur zu lieben, wie wunderbar und wohltuend sich in ihr zu bewegen. Sonnenauf- und -untergänge, die Berge, die Bäume, den Wald, die Pflanzen und all die Blumen, die bald wieder erblühen werden. Natur ist verlässlich.


Aber wie sieht es mit Menschen aus? Ist es nicht viel schwerer Menschen zu lieben? Ja, und warum ist es so schwer Menschen zu lieben? Es kann einem ja mit einem Menschen, dem man über Jahre und Jahrzehnte Liebe geschenkt hat, so ergehen, dass man von einem Tag auf den anderen erleben muss, wie er völlig verändert reagiert, ganz anders als wir es bisher von ihm kannten oder gewohnt waren. Wir haben Tomaten in seine Seele gepflanzt, aber es werden keine roten Tomaten daraus, sondern grüne Kartoffeln. Wir ernten, was wir nicht erwartet haben. Das macht es so schwer.


Tulku Lobsang Rinpoche schlägt nun eine Übung vor, die jeder einmal ausprobieren kann, einfach erstmal an einem Tag. So, wie wir vielleicht sonst in den Wald gehen, begeben wir uns unter Menschen. Und dann versuchen wir die Menschen zu lieben. Ganz still, in unserem Inneren. Wir müssen das überhaupt nicht nach außen kehren, weder durch Sprechen noch durch Gesten. Nur in unserem Herzen. Einfach auf der Straße, beim Einkaufen oder wo auch immer Menschen sind.


Eine schlichte Übung, die aber gerade heute zu einer wichtigen Übung werden kann.




[1] Rudolf Steiner, Anthroposophischer Seelenkalender, 2. – 8. März 1913,

https://ia800907.us.archive.org/10/items/rudolf-steiner-ga-040/rudolf-steiner-ga-040.pdf, Seite 46